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Die nicht sterben

4. Februar 2022 · 20:00 - 22:00

SOLODUOTRIO – Neue Töne aus der Quarantäne
In dieser einmaligen Konzertreihe präsentiert der Club Voltaire zwischen dem 11.9.2021 und dem 19.2.2022 kreative Künstler*innen, die in der Zeit der Corona-Lockdowns Solo-, Duo- und Trio-Programme entwickelt haben. Sie sind Zeugnisse einer ganz besonderen Zeit. Das außergewöhnliche Programm reicht von Singer/Songwriter, Jazz, Neue Musik, Experimentelle Musik über Worldmusic bis zur Literaturperformance.

Autorinnen-Gespräch mit Leseperformance und Musik
In ihrem neuen Roman „Die nicht sterben“ (erschienen im Penguin Verlag 2021) zeichnet Dana Grigorcea ein atemberaubend atmosphärisches Porträt der postkommunistischen Gesellschaft in Rumänien, die bis heute in einem Zwischenreich gefangen scheint. „Mit einer Komik, die Grigorcea fabelhaft zum Funkeln bringt,“ (Die Zeit) führt sie ihre Leserinnen und Leser ins Herz eines Schreckens, wie ihn nur die eigene Vorstellungskraft erzeugen kann – oder der gestrenge Fürst Dracula. Grigorceas Erzählung verwebt nicht nur eine Vielfalt motivischer Elemente unterschiedlicher Dracula- und Vampirerzählungen und -verfilmungen, sondern auch verschiedene Formen des Erzählens. Die historische Figur Vlad der Pfähler, als Dracula bekannt, wird erzählerisch heraufbeschworen und letztlich als Folie für Revanchismus, Extremismus und die langersehnte Rückkehr einer starken Hand vor Augen geführt. Dem gegenüber steht Grigorceas komplexes Erzählen, das sich von der Falle dualistisch-mythologischer Narrativen absetzt und sich ihr entzieht. In ihrem „politischen Schauerroman“ (NZZ) bricht Grigorcea das Schweigen zwischen den Generationen und zeigt, dass noch sehr lebendig ist, was man totgesagt hatte: Populismus, Chauvinismus, die Geister der Vergangenheit. An diesem Februarabend, inmitten der Tübinger Altstadt, ist es eine ganz besondere Freude, die Autorin Dana Grigorcea zu einem Gespräch über ihren neuen Roman empfangen zu dürfen.

Mit:
Dana Grigorcea
Endre Holéczy, Moderation, Leseperformance
Thomas Maos, Sound

„Dana Grigorcea erzählt sehr plastisch und mit poetischer Kraft (…) Ein Roman, der weit über Rumänien hinaus aktuell und lesenswert ist.“ (SRF 2 Kultur)

Das Buch: Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. »Uns kann niemand brechen«, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um: Schicksal. Doch wie unverrückbar ist dieses wirklich? Und kann vielleicht gerade ihr Erzählen die scheinbare Unausweichlichkeit dessen und seiner unendlichen Wiederholung wenden?

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie studierte Germanistsik und Niederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ und die Novelle „Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen“, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Werkjahr der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (2017) und dem 3sat-Preis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises.
Endre M. Holéczy studierte Allgemeine Rhetorik und Empirische Kulturwissenschaften, Literatur- und Kulturtheorie an der Universität Tübingen und Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Zurzeit promoviert er im Bereich Dramentheorie an der New York University. Als Dramaturg und Regisseur hat er Theaterabende in Form von Stückentwicklungen begleitet – unter anderem am Tübinger Zimmertheater, im Theaterhaus Stuttgart und am Theater Gütersloh; zudem hat er Moderationen an literaturwissenschaftlichen und literarischen Veranstaltungen am Deutschen Haus (NYU) und dem Austrian Cultural Forum in New York übernommen.
Thomas Maos, Gitarrist, Komponist und improvisierender Musiker bewegt  sich zwischen populärer und experimenteller Musik. Als Klangkünstler arbeitet er in zahlreichen Projekten zwischen Kunst, Musik, Theater und Performamce.
Seine aktuelle Solo CD „glühen“ ist auf der Longlist und für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2021 nominiert. Sein internationales CAMP Festival für visual music wurde u.a. 2013 auf die Kunstbiennale nach Venedig eingeladen.

Eintritt: 15.- / erm. 10.-

Unterstützt von    

Die Reihe wird gefördert vom Land Baden-Württemberg.

Details

Datum:
4. Februar 2022
Zeit:
20:00 - 22:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Club Voltaire
Haaggasse 26b
Tübingen, 72070 Deutschland

Veranstalter

Club Voltaire