Historie

Geschichte des Club Voltaire

März 1970 – erste Aktivitäten im Haus Haaggasse 26b.

1971 – Zur Durchführung eines Filmprogramms wird der Filmclub „Cinemathek am Haagtor“ mit dem 1. Vorsitzenden Stefan Paul gegründet.

1972 – Die Räume werden ausgebaut und am 19.12.1972 gründet sich der Club Voltaire e. V.

1973 – Folkkonzerte, die großen Anklang finden, unter anderem mit Dieter Strobel, Mike Cooper und Werner Lämmerhirt.

1974 – Der Club etabliert sich als „parteiunabhängiger Kulturclub“ mit Auftritten von John Pearse, Lerryn, Tommie Bayer, Uli Keuler und Thomas Felder.

1975 – Das 1. Tübinger Folk- und Liedermacher Festival ist der angloamerikanischen Szene gewidmet, Zupfgeigenhansel, Martin Kolbe und „Poesie und Musik“ sind zu Gast.

1976 – Das 2. Festival widmet sich dem politischen Lied. Die Künstler Walter Mossmann und Lutz Görner sind zwei Bedeutende, die sich damit auseinandersetzen.

1977 – 10 Jahre nach der Studentenbewegung findet das 3. Festival mit „Tanz unter dem Freiheitsbaum“ statt, bei dem die neue italienische Musikszene gefeiert wird.

1978 – Das 4. Festival findet in Erinnerung an den ermordeten Chilenen Victor Jara statt, einem der Hoffnungsträger politischer Kulturbewegungen. Konzerte unter anderem mit Peter Finger, Thomas Felder und Sonja Kehler.

1979 – Beim 5. Festival zum Thema „2. Kultur heute“ ist neben den Musikern Yamashita, Maccina Macceronica, Ina Deter, Gruppo Folk und den Puhdys auch Günter Wallraff zu Gast.

1980 – Das 6. Festival steht im Zeichen von Wolf Biermann. Es finden Konzerte unter anderem mit David Qualey und Schröders Roadshow statt.

1981 – Beim 7. Festival wurden 30 000 DM für eine Indianeruniversität in Nicaragua gesammelt. Musiker in diesem Jahr sind u.a. Los Jaivas, Bots, Die Erste Allgemeine Verunsicherung und die Schmetterlinge.

1982 – Das 8. Festival befasst sich mit der Friedensbewegung, für die sich Dollar Brand, die 3 Tornados, Väterchen Franz und Hannes Wader musikalisch stark machen.

1983 – Das Afrika-Festival wird ein überwältigender Erfolg und die Konzerte mit Linton Kwesi Johnson, Anne Haigis, Konstantin Wecker und Walter Mossmann zur Legende.

1984 – Das 10. Festival findet für die „Weiße Rose“ statt, wobei die politische Auseinandersetzung mit der neuen Rechten den Club stark fordert. Mühsam muss das Club-Schiff hinterher wieder auf Fahrt gebracht werden. Musikalisch gibt es nur einen Namen auf dem Festival, Mercedes Sosa!
Alice Schwarzer sorgt thematisch für die Linie. Im Juli genießen 10 000 das Konzert von BAP, es ist bis heute die größte Einzelveranstaltung des Clubs.

1985 – Das 11. Festival steht ganz im Zeichen des „anderen Amerika“, das sich als ein programmatischer Drahtseilakt herausstellt. Der Club erhält den Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft. Im Jahresprogramm zu Gast: Miriam Makeba und Günter Wallraff.

1986 – Mikis Theodorakis feiert beim 12. Festival einen Riesenerfolg. Highlights des Jahresprogramms sind Auftritte von Gerhard Polt und den Biermösl Blosn, Lydie Auvray und des Frankfurter Kurorchesters.

1987 – Das 13. Festival ist ein Ausflug in die Welt der Postmoderne. Auf einer riesigen Bühne tritt erstmals die Peking Oper open air auf. Der Protest gegen Atomwaffentests bestimmt die politische Diskussion. Weitere Konzert-Höhepunkte des Jahres: Klaus Lage, Willie Colon und die Mehlpriemeln.

1988 – Finden erstmals die Tübinger Tanz-Theater-Tage statt, bei denen der Star der Szene – Susanne Linke – Maßstäbe setzt. Das Festival feiert die 68er Bewegung mit Gästen wie Bommie Baumann, John McLaughlin und der San Francisco Mime Troupe. Das Literaturcafe etabliert sich mit Veranstaltungen über Walter Serner, Pasolini und die Literaten Irlands. Im Jahresprogramm traten Joachim E. Berendt, The Klezmorin, Rossy und Eberhard Weber auf.

1989 – Das 15. Festival ist dem Revolutionsjubiläum Frankreichs gewidmet und präsentiert die neue französische Musikszene, wobei der Star der zahlreichen Gäste Cheb Kader heisst. Die Tanz-Theater-Tage blicken nach Prag, Wien und Zürich, das LTT kann den Ansturm kaum fassen. Im Literaturcafe stehen vermehrt Eigenproduktionen auf dem Programm. Im Rahmen des Jahresprogramms war mit Sprut erstmals eine russische Rockband zu Gast.

1990 – Die Öffnung des Ostblocks bringt viele Gäste aus Polen, Ungarn, Bulgarien, Russland und Rumänien zum 16. Festival. Der unumstrittene Star der Veranstaltung ist die Pianistin Aziza Mustafa Zadé. Die Tanz-Theater-Tage sind der französischen Avantgarde gewidmet und werden dabei eine feste Kulturadresse in Deutschland. Das Herbstprogramm sieht mit Musik aus Simbabwe, der 5. Anglo-Irischen Folknacht sowie Literaturveranstaltungen zur Türkei und Oskar Wilde seine Höhepunkte.

1991 – Die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr begann mit Auftritten von Hanns-Dieter Hüsch und Ralf Illenberger Circle. Eine große Gemeinschaftsveranstaltung aller Tübinger Kulturinitiativen wendet sich gegen den Golfkrieg. Die 4. Tanz-Theater-Tage stehen unter dem Motto „Europe meets Japan“ und bilden den Höhepunkt der Veranstaltungsreihe. Beim 17. Festival sind unter anderem Mothers Finest und Willi de Ville zu Gast. Das Herbstprogramm wird gestaltet durch Gerhard Polt und Biermösl Blosn, eine weitere Folknacht, Konzerte zu Blues und Jazz sowie eine Kabarettreihe in Zusammenarbeit mit dem Sudhaus, bei der u.a. Miki Malör zu Gast ist.

1992 – Das Jahr begann mit dem vielbeachteten Symposium „Stadt – Kultur der Stadt“ mit bundesweiter Beteiligung. Die Tanz-Theater-Tage kommen nur mühsam in Schwung, dafür überzeugt das Literaturcafe umso mehr mit Tahar Ben Jelloun im Sudhaus. Das 18. Festival kann gerade noch einmal durchgeführt werden, diesmal in Zusammenarbeit mit Jazzclub, den Französischen Filmtagen und Jazz im Prinz Karl. Neue Akzente werden durch das Medienkunstfest und Auftritte von Richard Rogler und Dieter Hildebrand gesetzt.

1993 – Dieses Jahr beginnt und endet ganz im Zeichen des Kabaretts mit Künstlern wie: Gregor Lawatsch, Georg Schramm, Reiner Kröhnert, Sigi Zimmerschied, Christof Sonntag. Die Musik steht im Zeichen der Avantgarde mit Elliot Sharp. Eine Veranstaltung mit Charlotte von Mahlsdorf bildet den Höhepunkt des Literaturcafes im LTT. Bei den Tanz-Theater-Tagen sind Gäste aus Köln, Berlin, New York und Paris zu Gast. Eine Veranstaltung der besonderen Art widmet sich dem „Kunstwerk Fussball“ mit Dieter Hoeneß im Zentrum.

1994 – Eine Kabarettreihe, zwei Folkkonzerte, Résonance und Ann Triskell eröffnen das Programm dieses Jahres. Mit dem Reflective Theatre aus London werden völlig neue Massstäbe gesetzt. Die Tanz-Theater-Tage finden, trotz großem Zuschauerzuspruch, zum letzten Mal statt mit dem Ensemble Ki-Yi M’Bock von der Elfenbeinküste. Im Herbst liegt der Schwerpunkt auf der Begegnung mit Brasilien sowie dem 300. Geburtstag Voltaires – in Zusammenarbeit mit dem Institut Culturel Franco-Allemand in der Uni-Bibliothek.

1995 – Das Musikprogramm im Club erlebt mit neuen Reihen wie „Noise Art“ (NIET), „Grooves in the Club“ und der neuen „House“-Musik einen ungeahnten Aufschwung. Experimentelles Theater und Lesungen (Peter Paul Zahl) sowie eine Filmreihe zu Kurdistan runden das Jahresprogramm ab. Höhepunkt aber ist ein mittlerweile legendärer Auftritt von Gerhard Polt und den Biermösl Blosn in der Mensa.

1996 – Die Disco-Welle lässt auch den Club im Techno- und Afro-Beat-Rhythmus wackeln. Schwerpunkt der 3. Welt-Themen ist in diesem Jahr Peru mit Filmen, Vorträgen und dem Konzert von „Los Mojaras“. Das Theaterprojekt „Marianne und Friederike“ von Dietmute Zlomke und Carola Schwelien sowie ein Kafka-Projekt setzen weitere Höhepunkte.

1997 – Das „Cine Latino“ als neues Gemeinschaftsprojekt zieht die Zuschauer in Massen an. „Klaus der Geiger“ setzt alte Traditionen fort, und das Kino widmet sich den Science-Fiction-Klassikern. Literatur, Musik und Theater stehen im Zeichen des Kulturaustausches mit Dresden: unvergessen der „HO-Mann“.

1998 –Das Projekt des Jahres ist der Versuch, mit Club-Konzerten Rockgrößen einmal hautnah zu erleben. Mit der „music-factory“ zusammen wird der Club von den Zuschauermassen förmlich überrollt: Niki Sudden sollen 120 Besucher erlebt haben. Das war zu viel, und im Herbst muss das Projekt gestoppt werden. „Verrückt nach Licht“ heißt das größte Konzert mit Grupo Sal und Dorothee Sölle in der Stiftskirche.

1999 – Im Club sind die Kleinkunst (Rolf Linnemann) und ein großer Mexiko-Schwerpunkt neben dem laufenden Programm präsent. Künstlerische Höhepunkte: das „Camp-Festival“ des NIET im Sudhaus und die neuen Jazz- und Klassiktage (Trio con Brio). Die Zusammenarbeit mit Grupo Sal bringt ein weiteres Stiftskirchenkonzert zustande.

2001 – Im April gründet sich die Programmreihe „Club Zátopek“ und verwüstet rund sieben Jahre lang immer dienstags die Hirne der geneigten Gäste.

2002 – Die erste Tübinger Wassermusik auf dem Neckar; es sollen bis 2016 noch 15 weitere stattfinden.

2005 –Das Gebäude, in dem der Club seit seinen Anfängen residiert, wird durch den Verein Haaggasse 26b e. V. gekauft. Ermöglicht wird dies durch eine Bürgschaft der Stadt, mit der der nötige Kredit abgesichert wird.

2006 – Die Bauarbeiten beginnen. Als erstes wird das Gebäude im ersten Stock entkernt. Fußböden und Zwischenwände müssen entfernt werden. Der Betrieb im Erdgeschoss geht weiter. Oben treten Schäden zu Tage, die durch die Vernachlässigung des Gebäudes durch frühere Besitzer über die Jahre entstanden sind. Viel Holz ist durch Wasser angegriffen. Das Dach ist seit Jahren undicht und muss komplett saniert werden.

2007 – Das Dach wird ab- und wieder neu eingedeckt. Das Fachwerk wird erneuert und an den nicht zu rettenden Stellen ersetzt, außerdem wird der erste Stock ökologisch gedämmt. Der Club-Betrieb geht vorerst weiter. Während als substanzerhaltende Maßnahmen die Außenwände und die Front erneuert und gedämmt werden, wird im Veranstaltungsraum die Raumaufteilung verändert, die Elektrik neu gemacht, der Brandschutz erneuert und der Notausgang verlegt. Von Juni bis Oktober ruht der Betrieb, um danach wieder Fahrt aufzunehmen.

2008 bis heute – Der Club beteiligt sich an Tübinger Events wie der „Kulturnacht“, dem „Cine Latino“ und den „Jazz & Klassik Tagen“. Er schärft aber auch sein Profil durch eigene Reihen, wie „Tübinger Underground Unplugged“, „Spuren kultureller Vielfal“. „EXIt_OPEN:\\“ für freie und experimentelle Musik und mehr.