KULTUR ERHALTEN – Doch das Paradies ist verriegelt. Wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.

Diese zwei Zitate – das erste von einem Plakat vom Kulturnetz Tübingen, das zweite von einer alten Karte des Zelttheaters Compagnia Buffo, die wir zusammen mit dem Theater vor einem Jahr neu aufgelegt haben – passen doch hervorragend zur momentanen Situation in der Kultur. Wir alle wollen Kultur als lebenswichtigen Teil gesellschaftlichen Lebens erhalten, doch die Tür zum Paradies der Kommunikation und Interaktion zwischen Kunst und Publikum ist zur Zeit verschlossen (ausgenommen der Genuss daheim, allein, auf dem Sofa, übers Internet …).

Das ist auch eine Zeit, wo KünstlerInnen und Veranstaltungshäuser über neue, darstellende Formate nachdenken, manches Theater hat dazu spannende Ideen, siehe Theater Lindenhof. Auch im Club Voltaire wurde schon manches dazu erarbeitet und wir werden uns noch auf mancherlei Art und Weise präsentieren. Unser Adventskalender mit Beiträgen aus Tübingen bis nach Mexiko fand zum Beispiel großen Anklang, ebenso die Endnachts-Fenster Ende Dezember. Alles in Allem wurde eine programmatische Vielfalt gezeigt die auch das Portfolio des sonstigen Programms im Club Voltaire hervorragend abgebildet hat. Darüber hinaus hatten wir und der JazzClub mehrere Livestreams, wir hatten Ausstellungen und Konzerte im Hof unterm Freiheitsbaum. Nicht zu vergessen die Reihe zum Kultursommer (treffender Weise OstWest-Begegnungen betitelt) und unsere Beiträge zu den Jazz und Klassiktagen 2020 mit der damals möglichen, reduzierten BesucherInnenzahl.

Trotzdem sind wir jetzt wieder – wie alle in Kunst und Kultur – auf der Reise ins Ungewisse! Findet sich – irgendwann, irgendwo – wieder eine Öffnung um sich im Kulturzentrum zu begegnen? Können wir unser Programm wieder einem gesellschaftlichen Diskurs zur Verfügung stellen, der momentan so bitter nötig ist? Wie lange werden die Geldgeber der subventionsbedürftigen Kultur ihr die Basis für ihre Projekte erhalten? Wie die Buffoni tragen wir schwer daran, sind jedoch voller Hoffnung!

 

Ralf Wenzel, Januar 2021